Geschichtliches zum Pferdemarkt


Das Marktrecht geht auf das 1328 verbriefte Stadtrecht zurück, in Beerfelden Markt zu halten. Genau belegen kann man die Märkte der Anfangszeit aber nicht. Der Wohlstand zu Beginn des 30-jährigen Krieges, insbesondere der Bauern und Handwerker Beerfeldens, lässt darauf schließen, dass hierzu die Absatz- und Handelsmöglichkeiten auf den Märkten im erheblichen Maße beigetragen haben.
Anfang des 18. Jahrhunderts waren die Viehmärkte wegen einer „großen Viehseuche“, vermutlich der Maul- und Klauenseuche, die 1755 zu Ende ging, vom Landesherren untersagt. Um diesen Seuchen vorzubeugen, wurde die „Viehmarktordnung vom 21. März 1788“ erlassen. 1802 wurde dann vom Grafen Christian Karl die „Hochgräfliche Erbach-Fürstenauische Marktordnung für Beerfelden / Amt Freienstein“ erlassen, in der Standgeld, Kaufpreis, Geldsorten und anderes festgelegt wurden, um Streitigkeiten zu vermeiden, die beim Viehhandel immer wieder entstanden.

So fanden zum Beispiel nach historischen Quellen zwischen 1840 und 1850 198 Märkte statt. Dabei wurden laut den Unterlagen 96.570 Stück Vieh aufgetrieben und ein Gesamtumsatz von 1.549.396 Gulden erzielt.

Die Neuzeit begann mit dem vorletzten Jahrhundertwechsel: in einer Versammlung am 10.11.1900 wurde die Neugestaltung beschlossen, die in einem größeren Rahmen und mit festlicherem Gepräge durchgeführt werden sollte. Der erste Markt dieser neuen Art fand am 29. Juli 1901 statt, aufgetrieben waren 230 Pferde und Fohlen, 200 Stück Rindvieh und 35 Schweine. Dies war die Geburtsstunde des Pferdemarktes, wie wir ihn in heutiger Form kennen. Die ersten Jahre waren nicht frei von Kuriositäten: 1904 veranstaltete man erstmals eine Pferdemarktlotterie, bei der 12.000 Lose verkauft wurden. Der 1. Preis war ein Pferdewagen, später ein Stuhlwagen (Einspänner mit Silbergeschirr), noch später ein Zweispänner-Erntewagen mit Pferden, außerdem weitere lebende Preise in Form von Fohlen, Zuchtrindern und Schweinen. Die letzte Verlosung dieser Art ist für das Jahr 1939 belegt. Nur einmal fiel der Markt aus: im Jahre 1920 grassierte die Maul- und Klauenseuche.
Früher fand der Markt im Innenstadtbereich, mit den Fahrgeschäften an der Martinskirche und dem Viehmarkt am Gasthaus „Zum Schützenhof“ statt. 1958 wurde der Markt letztmals im Stadtzentrum abgehalten und aus verkehrsbedingten Gründen ab 1959 in das Markt- und Sportzentrum Stried verlegt, wo er auch heute noch abgehalten wird. Bis 1958 wurde das angegliederte Reitturnier noch mit Flachrennen und bis 1963 mit Kutschenfahren veranstaltet, in heutiger Zeit zählen Springprüfungen bis zur Kl. S und Mächtigkeitsspringen S/B zu den Höhepunkten des Rahmenprogrammes. Seit 1985 beginnt wegen der großen Zahl der Reiterinnen und Reiter das Turnier bereits freitags.
Auch das Rahmenprogramm des eigentlichen Marktes wurde ständig erweitert. Ein großer Vergnügungspark, eine beeindruckende Gewerbeschau und Unterhaltung für jung und alt machen den Beerfelder Pferdemarkt zu einem der attraktivsten Märkte Südhessens, der trotz moderner Ausrichtung seine Wurzeln im bäuerlichen Marktgeschehen nicht vergisst.

Mittelpunkt ist und bleibt der Pferdemarkt-Montag (oder im heimischen Dialekt gesprochen „Gailsmarik-Mondag“) mit der größten und vielseitigsten Zuchtviehschau Hessens, die nach wie vor das eindrucksvollste Schaufenster der regionalen Landwirtschaft darstellt.

Jährlich kommen um die 400 Nutztiere zur Ausstellung, neben Rindern, Warm- und Kaltblutpferden, Ponys, Schafen und Ziegen mittlerweile auch Kleintiere wie Kaninchen und Geflügelrassen. Kaum ein anderer Markt hat dessen Motto „Menschen, Tiere, Traditionen“ so eindrücklich ausgefüllt wie der „Beerfelder Pferde-, Fohlen- und Zuchtviehmarkt“.